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1. Oldenburger Diagnostik-Tag des Kinder- und Jugendalters am 16.08.2017 in der Universität Oldenburg

Testverfahren: "Aus der Praxis für die Praxis!"


Am 16.08.2017 kamen über 200 Gäste aus ganz Niedersachsen in die Universität Oldenburg zum „1. Oldenburger Diagnostik-Tag des Kinder- und Jugendalters“. Veranstalter waren das Team Fachberatung „Hören, Sprache und Sehen / Pädagogischer Dienst des Landesarztes" im Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie, das Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg und der Arbeitskreis Weser-Ems der kinder- und jugendärztlichen Dienste in den Gesundheitsämtern. Fachkräfte verschiedener Disziplinen aus Gesundheitsämtern, Einrichtungen für Kinder mit Hör- und Sprachauffälligkeiten sowie der Universität Oldenburg boten eine praxisorientierte bzw. erfahrungsbasierte Vorstellung und Vorführung von Testverfahren an. Motto: „Von Praktiker/innen für Praktiker/innen!"

Insgesamt wurden 17 Überprüfungsverfahren vorgestellt, die in den Bereichen Intelligenz, Sprache, Verhalten und Entwicklung eingesetzt werden. Die Resonanz auf diese Tagung war im Vorfeld bereits sehr positiv, da es für viele Teilnehmende bislang kein vergleichbares Forum zum interdisziplinären, erfahrungsbasierten Austausch gegeben hat. Es kamen nicht nur Interessierte aus den o. g. Zielgruppen der Veranstalter, sondern auch aus niedergelassenen Kinderarztpraxen, Sozialämtern und anderen Kontexten. Viele der Präsentationen aus den Workshops können Sie rechts in der Informationsspalte herunter laden.

ET 6-6-R (Entwicklungstest): Der ET 6-6 R ist in Niedersachsen weit verbreitet, traf aber dennoch auf großes Interesse bei der Präsentation. Deshalb mussten zwei Durchgänge durchgeführt werden. Dr. Dorothee Adelmann (Gesundheitsamt Oldenburg) und Birgit Schwetje (Gesundheitsamt Osnabrück) erfüllten diese Aufgabe mit viel Erfahrung und Kompetenz.

BAYLEY III (Bayley Scales of Infant and Toddler Development - Third Edition): Sabine Schroth (Frühförderung Rauhes Haus Hamburg) stellte die Materialien vor.

IDS-P (Intelligence and Development Scales – Preschool): Annika Rademacher und Jelena Zumbach (Universität Oldenburg) stellten das Material vor und ermöglichten das Erproben in Zweiergruppen. Dadurch konnten direkte Erfahrungen mit den Testaufgabestellungen und Schwierigkeiten bei der Realisation sowie der schriftlichen Fixierung gemacht werden. Im Plenum erfolgte abschließend ein Austausch zu Material und Ablauf.

SON-R 2½-7 (Non-verbaler Intelligenztest): Die beiden Psychologinnen Dunja Barloh (Sprachheilkindergarten Aurich) und Silke Füchsel (Sprachheilkindergärten Cloppenburg und Edewecht) konnten aufgrund ihrer langen Praxis den Test hochkompetent mit sehr praxisnahen Beispielen erläutern.

WNV (Wechsler Nonverbal Scale of Ability): PD Dr. Monika Daseking (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) ermöglichte einen kurzen Einblick in die WNV - vorweg mit einer kritischen Anmerkung zum Anspruch auf "sprachfreie" Intelligenztestung, die in der Regel immer nur ein Messen ohne aktive expressive Sprache meint. Mit ausgeprägter Detailkenntnis zu vielen Studien stellte sie die Zusammenhänge zwischen Gedächtnis, Lernen und IQ dar und diskutierte mit den Teilnehmenden auch noch die Frage nach der "Kultur-Fairness" von Testverfahren - ein Thema, das gerade angesichts der zunehmenden Bedeutung von Migration erheblich in den Fokus rückt.

K-ABC-II (Kaufman Assessment Battery for Children-2): Dr. Matthias Leder (Sprachheilkindergarten Bersenbrück) und Marion Ahrens (Sprachheilkindergarten Georgsmarienhütte) stellten dieses bekannte Verfahren vor - jedoch nicht ohne kritische Bewertung.

WPPSI-III (Wechsler Preschool and Primary Scale of Intelligence - III): MiriamThye (Gesundheitsamt Osnabrück) stellte sehr engagiert, kompetent und kritisch das Verfahren vor. Insbesondere betonte sie die Notwendigkeit, weitere Aspekte in der Testung zu berücksichtigen – gewissermaßen, eine Testhörigkeit zu vermeiden.

SETK 3-5 (Sprachentwicklungstest für drei- bis fünfjährige Kinder (3;0-5;11 Jahre): Diesen Klassiker sprachpathologischer Testung für Vorschulkinder präsentierten Sabine Frers-Papin und Semiha Denker (Sprachheilkindergarten Oldenburg).

SET 5-10 (Sprachstandserhebungstest für Kinder im Alter zwischen 5 und 10 Jahren): Für Kinder in der Grundschulalter, vor allem aber auch für einzuschulende Kinder bietet dieser Test wichtige Informationen. Katja Läppchen und Heike Duderstadt (Sprachheilkindergarten Helmstedt) präsentierten den Tests auf der Grundlage ihrer Erfahrungen.

TROG-D: Test zur Überprüfung des Grammatikverständnisses / AWST-R: Aktiver Wortschatztest für 3- bis 5-jährige Kinder – Revision und Konsonanteninventar: Valerie Andrich, Marieke Hartung und Hermann Mödden (alle Sprachheilzentrum Wilhelmshaven) präsentierten als gut eingespieltes Team diese drei Verfahren. Es wurde betont, dass sich der TROG-D mit seiner kurzen Durchführungszeit als gutes Instrument für die Praxis mit hoher Therapierelevanz erwiesen hat - auch für Verlaufsmessungen und vor allem für Schulkinder. Auch der AWST-R ist quantitativ schnell auswertbar, in der qualitativen Auswertung dagegen sehr zeitaufwändig. Das nicht normierte Konsonanteninventar kann in der therapeutischen Arbeit bei Artikulationsstörungen positiv auch mit den betroffenen Kindern und in der Beratung ihrer Eltern eingesetzt werden.

HASE (Heidelberger Auditives Screening in der Einschulungsuntersuchung) und BISC (Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten): Mit HASE und BISC wurden zwei Verfahren vorgestellt, die primär auditive Leistungen überprüfen. Beate Wüst (Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Hildesheim) führte HASE vor, Achim Rebentisch (Sprachheilkindergarten Holzminden) und Renate Grieger-Müller (Sprachheilkindergarten Melle) das BISC - veranschaulicht mit spielerischer Darstellung.

VSK (Verhaltensskalen für das Kindergartenalter) / CBCL (Child Behavior Checklist) / SDQ (Strengths and Difficulties Questionnaire): Prof. Dr. Ute Koglin erfüllte das ambitionierte Ziel, die beiden klassischen Verhaltensskalen CBCL und SDQ mit dem neuen Instrument VSK zu vergleichen, in vorbildlicher Weise. Kritisch wurden die alten (und anglo-amerikanischen) Normstichproben betrachtet und der Anspruch auf ein zeitgemäßes, in Deutschland normiertes Instrument begründet. Mit den VSK soll dies erfüllt werden, auch unter Berücksichtigung einer Ausrichtung auf das Vorschulalter mit der Erfassung von Problemen und Ressourcen im Verhalten.


 
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