Netzwerkarbeit in Niedersachsen - Vorträge auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie (DGA) 2016 in Hannover | Nds. Landesamt für Soziales, Jugend und Familie
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Netzwerkarbeit in Niedersachsen - Vorträge auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie (DGA) 2016 in Hannover

Interdisziplinäre Herausforderungen und Netzwerkarbeit in Niedersachsen im Bereich Pädagogische Audiologie, Hörgeschädigtenpädagogik und Fachberatung Hören und Sprache


In einer gemeinsamen Sitzung auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie (DGA) im März 2016 haben Fachleute für Hör- und Sprachschädigungen aus ganz Niedersachsen die vernetzte Zusammenarbeit bei Kindern mit Hörschädigungen dargestellt.

Mitarbeiter/innen des Niedersächischen Landesamtes für Soziales, Jugend und Familie (LS), aller niedersächsischen Landesbildungszentren für Hörgeschädigte (LBZH) und Dr. Andreas Becker (Facharzt für Pädaudiologie und Phoniatrie, Universitätsklinik / Evangelisches Krankenhaus Oldenburg) sind hier gemeinsam aufgetreten. Em. Prof. Dr. Frans Coninx (Universität Köln; Institut für Audiopädagogik Solingen) und Joachim Walter (LS) moderierten die Veranstaltung, zu der über 50 Fachpersonen aus ganz Deutschland gekommen waren.

Zunächst stellten Manfred Flöther und Anselm Bajus (LS) die niedersächsische Hör- und Sprachheilberatung vor: "Fachberatung Hören und Sprache - Beratung im Netzwerk im Flächenstaat Niedersachsen". Das Land Niedersachsen hat hierfür seit den 1950er Jahren eine Struktur mit allen Landkreisen und kreisfreien Städten aufgebaut, das über die örtlichen Gesundheitsämter fachliche Kompetenz in alle Regionen bringt. Die multiprofessionelle Zusammenarbeit von örtlichen und überregionalen Fachleuten führt zu einem flächendeckenden Beratungsnetzwerk mit einheitlichen Standards und guten Ergebnissen: Kinder mit erheblichen Hör- und Sprachstörungen werden in Niedersachsen in Form einer interdisziplinären Komplexleistung in speziellen Kindergärten intensiv gefördert und behandelt (teilstationäre Sprachheilbehandlung). Besonders für Kinder mit erheblichen Sprachstörungen konnte der positive Effekt dieser Maßnahme in mehreren Studien nachgewiesen werden. Die Folien des Vortrags finden Sie hier .

Anschließend referierten Susanne Buschko und Henning Meier (LBZH Braunschweig) zum Thema "Pädagogische Audiologie in Niedersachsen - Konkurrenz oder Ergänzung zur medizinischen Diagnostik?". Sie zeigten die Prinzipien der Arbeit in den Beratungszentren für Pädagogische Audiologe in den vier LBZH auf: niederschwelliges Angebot, kindgerechte Atmosphäre, vertrauensvolle Elternarbeit und eine interdiziplinär vernetzte Förder- und Verlaufsplanung. Ihren Vortrag finden Sie demnächst hier.

In Oldenburg arbeiten die Hörgeschädigtenpädagogik und die Pädaudiologie seit vielen Jahrzehnten sehr eng zusammen. Dr. Andreas Becker (Universitätsklinik Oldenburg), Martina Isstas und Bettina Niere (LBZH Oldenburg) stellten den aktuellen Stand der Zusammenarbeit vor. Es werden wöchentliche pädaudiologische Konsultationen im Beratungszentrum für Pädagogische Audiologie des LBZH Oldenburg durchgeführt. Fachärztliche Begutachtungen ergänzen die pädagogische und pädakustische Diagnsotik des LBZH. Seit einigen Jahren findet zudem bei der stationären Erstanpassung in der Klinik eine fachpädagogische Einbindung der Fachkräfte aus dem LBZH Oldenburg statt. Die Folien des interdisziplinären Vortragssteams aus Oldenburg finden Sie hier .

Dr. Markus Westerheide (LBZH Osnabrück) stellte Ergebnisse einer empirischen Studie mit über 500 Falldaten vor: "Pädagogische Audiologie in Zeiten von Inklusion - Aufgaben, Zukunft und Herausforderungen bei der Begleitung hörgeschädigtrer Schülerinnen und Schüler an Regelschulen". Die hohe Zahl verbesserungswürdiger Hörtechnik führt zu einem Plädoyer für eine intensive Einbindung der Pädagogischen Audiologie. Unter dem Motto "Die Leistung zum Kind bringen!" benötigt besonders ein Flächenstaat mit seiner heterogenen Hör-Infrastruktur dieses Angebot als sinnvolle Ergänzung zu Medizin und Hörgeräteakustik. Gelingen kann Inklusion dann in einer engen interdisziplinären Kooperation. Die Vortragsfolien finden Sie hier . Dr. Westerheide brachte außerdem einen hörgeschädigtenpädagogischen Beitrag (gemeinsam mit Bernhard Hohl aus Friedberg) im Rahmen einer Strukturierten Sitzung zu "Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen" in die DGA-Jahrestagung ein.

"Modelle interdisziplinärer Netzwerkarbeit der Pädagogischen Audiologie und Hörgeschädigtenpädagogik in Niedersachsen" war das Thema der Präsentation von Beate Wüst (LBZH Hildesheim) und Silke Frasch (LBZH Braunschweig). Dazu gehören: Beratung von Kindertagesstätten, Fortbildungen für diese und für logopädische Praxen, Eltern-Kind-Seminare, interdisziplinäre runde Tische. Die Folien des Vortrags finden Sie hier .

Sehr interessante Ergebnisse einer internen Erhebung präsentierten Monika Julius-Blaich und Julia Hensel (LBZH Hildesheim): "Erfahrungen mit dem Neugeborenen-Hörscreening (NHS) aus Sicht von Frühförderung und Pädagogischer Audiologie". Die frühzeitige Erfassung hochgradiger Hörschädigungen durch das NHS erhöht die Chancen für die betroffenen Kinder erheblich, inklusiv in Regeleinrichtungen betreut zu werden. Je später die Erfassung und hörtechnische Versorgung, um so ungünstiger verläuft der Hör-Spracherwerb. Der Aufwand an Förderung und Behandlung steigt dann deutlich an - bis hin zur Notwendigkeit einer teilstationären Sprachheilbehandlung im Kindergarten für Hörgeschädigte. Hier finden Sie die Folien zum Vortrag.

Die lebhafte Plenumsdiskussion unter Moderation von em. Prof. Dr. Frans Coninx und Joachim Walter würdigte einerseits positiv die dargestellten Netzwerkstrukturen im Flächenstaat Niedersachsen. Andererseits wurden in den Beiträgen Verbesserungsbedarfe in der Hörfrühförderung, z. T. auch für den Mobilen Dienst formuliert. Vor allem die Vertreter/innen aus der Medizin (Pädaudiologie, HNO-Heilkunde) wünschten sich eine Intensivierung der Maßnahmen. Unter Berücksichtigung von Angeboten in anderen Bundesländern (Bayern, NRW) wurde deutlich, dass diese angesichts nicht hinreichend geklärter Zuständigkeitsregelungen nicht direkt übertragbar sind. Es wurde deshalb angeregt, eine Folgeveranstaltung für Niedersachsen vorzubereiten, um gemeinsam mit allen Disziplinen Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

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